Quellen: Proto-Evangelium des Jakobus zählt zu den Kindheitsevangelien, wie auch die Kindheitsgeschichte nach Thomas.
Geburt Marias nach dem Evangelium des Jakobus in der Abschrift des Papyrus Bodmer 5 aus dem 4. Jhdt n. Chr. oder früher als ältester Zeuge der Übersetzung.
1. Kapitel
1. In den Geschichten der zwölf Stämme war Joachim sehr reich und brachte dem Herrn doppelt so viele Opfergaben wie erforderlich dar, denn er sagte sich: „Mein Überfluß soll dem ganzen Volk und mein Pflichtteil Gott, dem Herrn, zu meiner Versöhnung gehören.”
Aber er hatte keine Kinder als Nachkommen Israels hervorgebracht und durfte nicht als erster seine Gaben bringen am großen Tag des Herrn, so sagte ihm Rubel. Daraufhin ging er und stellte fest im Zwölfstämmerigster Israels, daß alle Gerechten Nachkommen geschaffen hatten. Er ging in die Wüste, stellte dort sein Zelt auf, fastete für 40 Tage und Nächte – weder Essen noch trinken – nur das Gebet wollte er als Speise und Trank nehmen. Er wollte so dafür sorgen, dass sich der Herr, unser Gott, um ihn kümmert.
2. Kapitel
1. Seine Frau Anna aber stimmte zwei Klagen an, erhob zweifaches Jammern und sagte: Ich will betrauern meine Witwenschaft, und ich will betrauern meine Kinderlosigkeit. 2. Der große Tag des Herrn aber war nahe. Da sprach Euthine, ihre Magd, zu ihr: Wie lange willst Du Deine Seele noch erniedrigen? Nahe ist der große Tag des Herrn, da darfst Du nicht trauern! Nimm stattdessen dieses Kopftuch, das mir die Meisterin geschenkt hat! Denn mir ist es nicht gestattet es zu tragen, weil ich nur deine Magd bin, es aber ein königliches Abzeichen hat. 3. Anna entgegnete: Geh weg von mir! Das habe nicht ich getan, vielmehr war es Gott, der Herr, der mich sehr erniedrigt hat. Bestimmt hat dir das ein Betrüger gegeben, und jetzt bist Du gekommen und willst mich an deiner Schuld beteiligen! Euthine, die Magd antwortete: Was soll ich dich noch verwünschen, weil Du nicht auf mich gehört hast? Gott, der Herr, hat schon deinen Mutterschoß ja verschlossen, um dir keine Frucht in Israel zu geben. 4. Da wurde Anna sehr traurig. Sie zog aber ihr Trauergewand aus, wusch sich den Kopf und legte ihr Hochzeitskleid an. Um die neunte Stunde stieg sie hinab in ihren Garten, um spazierenzugehen. Da erblickte sie einen Lorbeerbaum und setzte sich darunter. Nachdem sie ausgeruht hatte, flehte sie den Herrn an und sprach: Gott der Väter, segne mich und erhöre meine Bitte, wie du die Mutter Sara gesegnet und ihr den Sohn Isaak geschenkt hast.